Bevölkerungsentwicklung Mobilität über 4 Generationen


Einleitung

Grundsätzlich versteht man unter Mobilität die Beweglichkeit von Personen und Gütern im geographischen Raum [1], wobei der Begriff in den einzelnen Wissenschaftsbereichen sehr unterschiedlich Verwendung findet, so spricht man in der Wirtschaft bspw. von „Faktor- und Standortmobilität“ oder in der Demografie von „sozialer Mobilität“ [2]. Mit dem zusehends fortschreitenden Modernisierungsprozess der Schweizer Gesellschaft wächst das Bedürfnis nach Mobilität stetig, da soziale Aktivitäten wie Wohnen, Arbeiten und Erholung immer mehr getrennt voneinander stattfinden und deshalb räumliche Distanzen überwunden werden müssen, um an den verschiedenen Geschehnissen teilhaben zu können [1].
Im Rahmen dieser Praktikumsarbeit wurde anhand von im Vorfeld erhobenen Daten über das am weitesten entfernte Reiseziel einer Person untersucht, ob sich ein Wandel des Mobilitätsverhaltens über vier Generationen hinweg feststellen lässt und danach mit Hilfe von Tabellen, Karten und Diagrammen ergründet, worauf eine mögliche Veränderung zurückzuführen sein könnte.


Fragestellung

Bei unseren Untersuchungen wurde von folgenden zwei Fragestellungen ausgegangen:
  1. Lässt sich ein Wandel des Mobilitätsverhaltens anhand von vier Generationen aufzeigen?
  2. Erhöht sich die Mobilität in Bezug auf das Reisen über die Generationen hinweg?


Hypothese

In Anlehnung an die oben genannten Fragestellungen wurde folgende Hypothese aufgestellt:
Aufgrund von enormen technischen, wirtschaftlichen und kulturellen Fortschritten in den letzten 100 Jahren muss sich ein Wandel des Mobilitätsverhaltens zwangsläufig anhand von vier Generationen aufzeigen lassen. Das Reisen zu weit entfernten Ländern ist heutzutage Ausdruck eines zunehmenden Wohlstandes und widerspiegelt sich ein einer Art Lebensstil, weshalb sich die Mobilität der heutigen Generationen verglichen mit früheren Jahrgängen erhöht hat.


Material und Methoden


Ziel der Untersuchung, wie sie in der Einleitung beschrieben wurde, war es, herauszufinden, ob und wie sich das Reiseverhalten in der Zeitspanne von vier Generationen veränderte. Dazu wurden Daten, welche unsere Klasse anonym geliefert hatte, ausgewertet. Die erfragten Daten bezogen sich auf die weiteste Reise und den damalige Standort der acht Urgrosseltern, der vier Grosseltern, der Eltern und auch des Mitschülers selbst. Um die Distanz dieser zwei Orte herauszufinden wurde die Internetseite www.luftlinie.org[3] verwendet, ein einfaches Werkzeug, in dem man zwei Orte auf dieser Welt in zwei Textfelder eingeben kann und einem die Distanz (Luftlinie) zwischen den Beiden angezeigt wird. Die Distanz wurde dann für jedes einzelne dieser Familienmitglieder notiert. Zusätzlich wurde ein Mittelwert, Median genannt, errechnet, damit die Veränderung bei den Generationen gut erkennbar wurde. Der Median ist, im Gegensatz zum arithmetischen Mittelwert, nicht der Durchschnittswert bestimmter Zahlen, sondern es die Zahl, die in der Mitte der Zahlenreihe steht, wenn man diese der Grösse nach aufgelistet hat. Somit haben wir bei jeder Generation die dazugehörigen Distanzen der Grösse nach sortiert und dann den Median bestimmt. Wir haben uns für den Median entschieden, da es dann eine Distanz gibt, die in der Realität von irgendwem schon zurückgelegt wurde. Der Median ist viel realitätsnaher als ein Durchschnitt, bei dem die Distanz so wie sie ist mit keiner unserer Daten entspricht und somit auch von niemandem der Befragten zurückgelegt wurde.


Resultate


In der folgenden Tabelle sind die wichtigsten Werte und Ergebnisse über unsere Analyse und Auswertungen dargestellt.
In der ersten Zeile werden die Anzahl vorhandene Reiseziele von Personen der jeweiligen Generation angegeben. Wie man erkennt, müssten es in der 1. Generation 152 Personen und in der 2. Generation 76 Personen stehen. Denn der Grund sind die unvollständigen Angaben der Schüler (Weiteres im Kapitel Ungenauigkeiten). Die zweite Zeile zeigt der Rang der Person der den Medianwert hat (Wie man den Medianwert bestimmt, siehe Kapitel Material und Methoden. 1. Rang ist der am weiteste gereiste. Die dritte Zeile zeigt die Distanz der weiteste Reise der Generationen. Die weiteste Reise der Generation 1 hat die die entfernteste Distanz zurückgelegt. Generation 2 und 3 haben den gleichen Wert. Generation 4 hat die kürzeste. Die letzte Zeile zeigt den Medianwert. Obwohl Generation 1 den Rekord für die weiteste Reise besitzt, hat er den kleinsten Medianwert. An dritter Stelle ist Generation 2 und dann Generation 4. Generation 1 hat den grössten Medianwert.

Tabelle Wert 2.0.png
Auf dieser Karte sind alle weitesten Reisen der 4 Generation sowie ihre Medianwerte eingezeichnet worden.[1]





Diskussion

In den Resultaten ist generell ein Aufschwung der Reisedistanz deutlich sichtbar. Je jünger eine Generation ist, desto weiter ist sie gereist. Dies stimmt zwar in der 4.Generation nicht bewahrheiten, jedoch muss man hier festhalten, dass die Mitglieder dieser Generation noch keine Arbeit haben und zumeist noch jugendlich sind, und somit mehrheitlich noch nicht genügend Geld und Lebenszeit gehabt haben, um die weiteste Reise ihres Lebens zu machen. Abgesehen von dieser Generation ist die Reisedistanz jedoch, wie schon erwähnt beachtlich gestiegen. Womit hängt dies zusammen?
Die technischen Fortschritte und Erfindungen stellen den Menschen viele neue Möglichkeiten zur Verfügung, unter anderem auch die Möglichkeit schnell, komfortabel und relativ günstig weit zu Reisen. Dies wurde durch die Verbesserung der Züge, besonders jedoch aufgrund der Erfindung der Flugzeuge ermöglicht. Ein weiterer wichtiger Aspekt ist auch, dass der wirtschaftliche Aufschwung es uns erlaubt, dass wir uns nicht immer um die Arbeit kümmern müssen und wir so in die Ferien gehen können. Doch auch die Kultur gestattet oder zwingt uns, weit zu Reisen und viele Erfahrungen zu sammeln. Sie gestattet es uns, indem die Völker toleranter gegenüber anderen Kulturen geworden sind und es heutzutage sicherer ist, Ferien im Ausland zu machen, wie früher, aber unsere eigene Kultur und Gesellschaft zwingt uns auch bis zu einem gewissen Grad, weit zu Reisen, da es zum Statussymbol geworden ist, weit gereist zu sein und zu können.
Auch kann man sagen, dass heute das Leben viel leichter ist als früher, man muss nicht mehr um seine Existenz bangen und hat meistens, vor allem in Europa, einen angenehmen Lebensstandard. Weil wir uns nicht mehr um unser Essen und andere, lebenswichtige Dinge kümmern müssen, haben wir begonnen, andere Wünsche zu entwickeln und zu befriedigen. Ein wichtiger solcher Punkt ist das Reisen. Zusätzlich hat der, der sich grosse Reisen leisten kann, in den Augen der Gesellschaft einen guten Lebensstil und auch einen gewissen Wohlstand erreicht, etwas, was generell als begehrenswert gilt und Erfolg im Leben kennzeichnet.
Somit können wir unsere Hypothese in allen Punkten verifizieren.


Ungenauigkeiten

Bei der Auswertung fällt einem auf, dass viele Reiseziele der 1. Generation fehlen. Von 152 Personen sind nur 101 Angaben vorhanden. Der Grund ist die Unwissenheit der noch lebenden Familienangehörigen. Die meisten Menschen der 1. Generation sind schon verstorben und können nichts mehr berichten. Einige Angaben könnten sogar Annahmen sein, was die Korrektheit nicht versichert. In der 2. Generation fehlen 3 Angaben von 76 und in den letzten beiden Generationen keine. Durch das Fehlen der Informationen kann der Medianwert verfälscht werden. Jedoch kann man annehmen, dass dieser Wert ungefähr in der Grössenordnung der Wahrheit entspricht.
Von den jeweiligen Generationen oder Jahrgängen könnte man in weiterführenden Experimenten die gleiche Anzahl Personen nach ihrer weitesten Reise befragen, denn je mehr Angaben man hat, desto genauer sind die Medianwerte.
Der zweite Grund, welcher vermutlich den grössten Einfluss auf die Ungenauigkeit hat, besteht aus den ungenauen Angaben der Personen. Es konnten nicht die genauen Reiseziele oder sogar Wohnsorte angegeben werden, weil die Familienmitglieder dies nicht genau wissen oder der/die Schüler/-in zu faul war. Bei der Bestimmung der Distanz zu einem Land wurde auf der Webseite (für die Berechnung der Fluglinien) die Mitte des jeweiligen Landes angezeigt. Doch wenn zum Beispiel ein Europäer nach China fliegt, landet er meistens auf der Ostseite, wo die meisten Grossstädte liegen. Die Differenz der Strecken von Zürich bis nach Shanghai (9‘020.37 km) und von Zürich bis nach China (7‘553.24 km) beträgt 1‘467.13 km. Dieser Fehler führt zu falschen Resultaten. Die idealste Lösung wäre die Berechnung der Distanz vom Wohngebäude bis zum am weitesten entfernten Standort, an dem man war.


Quellenverzeichnis

[1] https://de.wikipedia.org/wiki/Räumliche_Mobilität
[2] http://www.forschungsinformationssystem.de/servlet/is/114261/
[3] https://www.luftlinie.org/
  1. ^ Klicken Sie auf das Menu der Karte (obenlinks), dort erhalten sie mehr Information