Im Rahmen der Geografiepraktika wurde die demographische Transformation anhand der Erwerbstätigkeit über vier Generationen untersucht. In einem ersten Schritt war jeder Schüler dazu verpflichtet, Informationen betreffend seiner Familie zu sammeln, damit für die darauffolgende Arbeit Daten zur Auswertung vorhanden waren. Diese Daten wurden auf verschiedene Themenbereiche aufgeteilt, die dann von jeweils einer oder zwei Gruppen bearbeitet wurden. Um für diesen Artikel von Nutzen zu sein, mussten die Angaben der Schüler ausgezählt und tabellarisch dargestellt werden. In diesem Fall mussten die angegebenen Berufe in verschiedene Kategorien eingeteilt werden, von denen drei die entsprechenden Wirtschaftssektoren darstellten und eine für die Nichterwerbstätigen vorgesehen war. In einer weiteren Auswertung wurden die häufigsten Berufe nach Generationen ausgezählt.
Einleitung & Fragestellung
Mit der Industrialisierung wurde die Arbeit sowohl auf dem Land wie auch in der Industrie über Generationen hinweg effizienter. Neue Technologien und Erfindungen vereinfachten die Arbeit, Menschen wurden durch Maschinen ersetzt und es waren weniger Arbeiter vonnöten um diese zu bedienen. Langsam verbesserten sich auch die Lebenssumstände der einfachen Bevölkerung und der allgemeine Wohnstand stieg an. Verbunden mit dem neuen Wohlstand stieg auch die Kaufkraft des Individuums, da nun nicht mehr nur die Existenz gesichert wurde, sondern auch Geld für die höheren Stufen der Bedürfnispyramide nach Maslow übrig blieb.[1] Diese Pyramide besagt, dass der Mensch zuerst seine Grundbedürfnisse befriedigen muss, bevor er in weniger notwendige Bereiche investiert. Zu diesen gehören die Sicherheitsbedürfnisse, soziale Bedürfnisse, Individualbedürfnisse und schlussendlich das Bedürfnis nach Selbstverwirklichung.
Durch den Wandel entstanden neue Arbeitsplätze, welche vorher nicht so zahlreich oder gar nicht ausgeübt wurden. So konnten zum Beispiel mehr Kinder in die Schule gehen, da sie keine Arbeit mehr verrichten mussten, damit die Familie genügend Geld zur Verfügung hatte. Ziel dieser zwei Praktika war es herauszufinden, ob sich über vier Generationen hinweg eine demografische Transformation der Schweiz in Bezug auf die Erwerbstätigkeit feststellen lässt und wie sich eine mögliche Veränderung auf die verschiedenen Wirtschaftssektoren auswirkt. Aus diesem Grund wurde folgende Fragestellung aufgestellt: Wie veränderte sich die Erwerbstätigkeit der Generationen des 20. Jahrhunderts in der Schweiz in Bezug auf die drei Wirtschaftssektoren und mit Blick auf die am häufigsten ausgeübten Berufe?
Wirtschaftssektoren
In Bezug auf die Erwerbstätigkeit werden Berufe in drei verschiedene Wirtschaftssektoren eingeteilt, welche bekannt sind als Primär-, Sekundär-, und Tertiärsektor. Der Primärsektor, auch bekannt als Landwirtschaftssektor, beinhaltet alle Berufe, die sich dem Anbau und der Ernte landwirtschaftlicher Erzeugnisse widmen. Dazu gehören vor allem Berufe in der Land- und Forstwirtschaft und der Fischerei, aber auch die Jagd, die Nutzung von Wasserkraft und der Bergbau.[2] Der Sekundärsektor, meist industrieller Sektor genannt, bezieht sich auf die Arbeit in Betrieben, welche für die Verarbeitung der Rohstoffe zuständig sind und/oder der damit verbundenen Produktion von Waren. Zu diesem Wirtschaftszweig gehören verarbeitende Gewerbe, Industrie, Handwerk und die Energiewirtschaft.[3] Der Tertiärsektor wird auch als Dienstleistungssektor bezeichnet. Dieser Wirtschaftssektor ist zuständig für das Erbringen von Dienstleistungen. Diese können durch eigenständige Unternehmungen in der Privatwirtschaft erbracht werden, aber auch durch den Staat oder andere öffentliche Einrichtungen. Berufe im Dienstleistungssektor sind in zahlreichen Bereichen vorhanden, wie zum Beispiel in der Informatik, Bildung oder Pflege.[4]
Hypothesen
Die Hypothesen wurden wie folgt formuliert:
Der Anteil des Landwirtschaftssektors sinkt über die Generationen hinweg gesehen, da durch neue Maschinen der Boden effizienter genutzt werden kann und weniger Arbeiter benötigt werden.
Der Anteil des Industriesektors nimmt aus ähnlichen Gründen wie der Landwirtschaftssektor ab: Durch die grössere Effizienz der Maschinen und die zunehmende Automation von Prozessen sind weniger Arbeiter nötig.
Der Anteil des Dienstleistungssektors nimmt von Generation zu Generation stetig zu, da die Schweiz im 20. Jahrhundert einen wirtschaftlichen Aufschwung erfahren hat und immer mehr Dienstleistungen in Anspruch genommen werden konnten.
Immer mehr Frauen werden erwerbstätig, da sich das Familienbild über die Zeit verändert hat und die Frau nicht mehr nur als Hausfrau oder Mutter betrachtet wird.
Auswertung der Geografiepraktika
Material & Methoden
Die Arbeit stützt sich auf die Daten der Klassenmitglieder bezüglich der Erwerbstätigkeit ihrer Familie über vier Generationen, die von den Mitschülern wahrheitsgerecht und anonym in Form einer Tabelle abzugeben waren. Dabei wurde nach den Berufen der acht Urgrosselternteile, der vier Grosselternteile, der zwei Elternteile und den Berufswünschen der Mitschüler selbst gefragt. Letztere wurden wie wirklich ausgeübte Berufe behandelt.
Vorgehen
In einer ersten Auswertung wurden die angegebenen Berufe den jeweiligen Wirtschaftssektoren sowie der Kategorie Hausfrauen zugeordnet, in der zweiten wurden die häufigsten Berufe ausgezählt. Mit Hilfe von Microsoft Excel wurden die in diesem Bericht vorliegenden Diagramme "Anteil der Wirtschaftssektoren an der Gesamtheit der Erwerbstätigen" und "Häufige Berufe" zur Veranschaulichung der beiden Auswertungen erstellt.
Resultate
In diesem Diagramm wird die Zahl der Erwerbstätigen in einem Wirtschaftssektor in Prozent dargestellt. Die Angaben beziehen sich hier nur auf die Daten der Klassenmitglieder. Die Hausfrauen, die in keinen Sektor der Wirtschaft passen, jedoch auch nicht als arbeitslos im wörtlichen Sinn aufgefasst werden können, wurden einer eigenen Kategorie zugeordnet, da sich eine der Hypothesen mit der Erwerbstätigkeit der Frauen beschäftigt. Mithilfe dieser Abbildung lassen sich einige Aussagen zur Veränderung der Erwerbstätigkeit im Bezug auf die drei Wirtschaftssektoren machen. Der Landwirtschaftssektor nimmt von Generation zu Generation kontinuierlich ab, bleibt jedoch trotzdem bis und mit zur dritten Generation erhalten. In der vierten Generation gibt es keine Schüler oder Schülerinnen, welche einen Beruf im Primärsektor ausüben wollen. Der Sekundärsektor erfuhr von der ersten zur zweiten Genration einen Zuwachs von acht Prozent, von der zweiten zur dritten Genration nimmt er jedoch um zwölf Prozent ab. In der vierten Generation gibt es niemanden, der in der Industrie tätig sein möchte. Der Tertiärsektor war von Anfang an der prozentual am stärksten vertretene Wirtschaftssektor. Über alle Generationen hinweg stieg die Zahl der Erwerbstätigen im Dienstleistungssektor weiter an. Die Schüler und Schülerinnen, welche die vierte Generation repräsentieren, wollen in ihrer zukünftigen Berufslaufbahn ausschliesslich Berufe ausüben, welche Dienstleistungen anbieten. Die Zahl der Hausfrauen nahm stetig ab, bis und mit zur dritten Generation gab es Hausfrauen, welche nicht erwerbstätig waren, in der vierten Generation gab es keine Testperson, welche zukünftig als Hausmann oder Hausfrau tätig sein möchte. Die oben aufgeführten Resultaten lassen sich auch tabellarisch in Prozenten veranschaulichen:
Landwirtschaft
Industrie
Dienstleistung
Hausfrauen
1. Generation
32%
15%
32%
21%
2. Generation
14%
23%
53%
9%
3. Generation
5%
11%
82%
3%
4. Generation
0%
0%
100%
0%
Das obige Diagramm zeigt die häufigsten Berufe und deren Rückgang beziehungsweise Zunahme über vier Generationen. Es lässt sich beobachten, dass sich einige Berufe mit den Feststellungen aus dem ersten Diagramm decken. Als Vertreter des Landwirtschaftssektors nahm der prozentuale Anteil an Landwirten stetig ab und ist in der letzten Generation gar nicht mehr zu finden. Der industrielle Sektor und dessen Veränderung in der Erwerbstätigkeit lässt sich anhand der Mechaniker beschreiben. Von der ersten zur zweiten Generation steigt der prozentuale Anteil der Mechaniker, eine Generation später sinkt er wieder ab. Die Sekretäre, Lehrer und Ingenieure wiederspiegeln die Entwicklung des Dienstleistungssektors, da deren Anteil von Generation zu Generation steigt, mit Ausnahme der vierten Generation. Nicht überraschend ist die Entwicklung der Hausfrauen, die sich eins zu eins mit dem ersten Diagramm deckt, da zur Kategorie Hausfrauen nur Hausfrauen gehören, welche diese ausmachen. Jedoch gibt es auch Berufe, deren Entwicklung nicht der ihres zugehörigen Wirtschaftssektors entspricht, wie zum Beispiel Handwerker, Schneider oder Kaufmänner. Zwei Berufe weisen eine besonders interessante Entwicklung auf. Der Beruf Lehrer ist der einzige Beruf welcher bei der Untersuchung in allen vier Generationen vorkommt. Der Beruf Musiker war in der ersten Generation verteten und verschwand dann über zwei Generationen. In der vierten Generation gibt es jedoch wieder Personen, deren Berufsziel Musiker ist.
Vergleich zum Bundesamt für Statistik
Das Bundesamt für Statistik bietet allen einen Zugang zu reichhaltigen Informationen aus den wichtigsten Lebensbereichen. Dazu gehören Bevölkerung, Gesundheit, Wirtschaft, Arbeit, Bildung, nachhaltige Entwicklung und vieles mehr. Um die Korrektheit der Ergebnisse zu überprüfen, wurde das offizielle Portal für Statistiken bezüglich der Schweiz zur Hilfe gezogen.[5] Es ist anzunehmen, dass die Ergebnisse des Bundesamts für Statistik genauer sind als unsere, da ihnen mehr Daten zur Verfügung stehen. Obwohl die Bundesbehörden mit aller Sorgfalt auf die Richtigkeit der veröffentlichten Informationen achten, kann hinsichtlich der inhaltlichen Korrektheit, Genauigkeit, Aktualität, Zuverlässigkeit und Vollständigkeit dieser Informationen keine Gewährleistung ihrerseits übernommen werden. Doch wie schon erwähnt, dienen ihre Daten als Vergleichsbasis um unsere Ergebnisse zu überprüfen.
Basierend auf den Daten[6] des Bundesamts für Statistik wurde ein Diagramm erstellt, um einen weitreichenden Überblick zur demographischen Transformation bezüglich der Erwerbstätigkeit zu erlangen. Der Zeitraum der Daten ist von 1975-2015 zu bestimmen, was bei der hier durchgeführten Untersuchung etwa auf die zweite, dritte und vierte Generation trifft. Die Hausfrauen werden in diesem Diagramm nicht als einzelner Sektor angesehen, sondern zählen zu den Nichterwerbstätigen, welche hier nicht vorhanden sind. Es wird zwischen drei verschiedenen Wirtschaftssektoren unterschieden. Die Landwirtschaft bildet den ersten Sektor, gefolgt von der Industrie, welche den zweiten Sektor vertritt. Der dritte und grösste Sektor ist derjenige der Dienstleistungen, welcher eine interessante Entwicklung aufweist. Schon im Jahr 1975 arbeiteten die meisten Menschen im Dienstleistungssektor und die Landwirtschaft war mit einem vergleichsweise geringen Anteil an Personen in der Wirtschaft tätig. Wenn man nun die Entwicklung aller Wirtschaftssektoren unter die Lupe nimmt, dann erkennt man ein rasantes Wachstum der Dienstleistungsbranche. Mit anfänglich 1.7 Millionen Menschen arbeiteten im Jahr 2015 in der Schweiz 3.75 Millionen Menschen, sowohl Ausländer als auch Schweizer Staatsbürger, im Dienstleistungssektor. Dies entspricht einer Verdoppelung von Personen, die im Dienstleistungssektor arbeiten. Gemäss verschiedensten Quellen wird vermutet, dass das Wachstum aufgrund des hohen Wohlstands unserer Konsumgesellschaft nicht stoppen wird. Nach einer hohen Wachstumsrate im Vorjahr erscheint ein „Knick“ im Jahr 1990. Auf diesen raschen Anstieg und den darauf folgenden kleinen Einbruch des Wachstums wird in der Diskussion näher eingegangen. In der Industrie arbeiteten sowohl prozentual als auch absolut bis zur Jahrtausendwende hin immer weniger Menschen. Seit dem Jahr 2000 blieb aber der Anteil an Arbeitern in der Industrie konstant. 222‘000 Menschen waren im Jahr 1975 noch in der Landwirtschaft tätig. Obwohl die Bevölkerung der Schweiz in den Folgejahren stark zunahm und die Nachfrage nach Nahrung stieg, nahm der Anteil der Erwerbstätigen im Bereich der Landwirtschaft stark ab. Ende 2015 wirtschafteten nur noch 165‘000 Menschen im traditionellen Sektor.
Fortfahrend wurden die Daten geschlechtergetrennt in einem Diagramm dargestellt. Dabei wurde ersichtlich, dass mit der Zeit immer mehr Frauen erwerbstätig wurden. Die beiden Kurven näherten sich im Verlaufe der Zeit an. Auffällig ist, dass um 1990 ein ähnlicher Knick wie bei der Dienstleistungsbranche im obigen Diagramm, zu erkennen ist. Bei Einsicht der Rohdaten sieht man, dass während des zweiten Quartals 1991 ca. 150'000 Frauen plötzlich erwerbstätig wurden. Der grösste Teil dieser Veränderung fand in der Dienstleistungsbranche statt, was auf einen Zusammenhang mit dem vorherigen Diagramm hinweisen könnte.
Diskussion
Gemäss unserer Ergebnisse wäre die Schweiz in der vierten Generation eine reine "Dienstleistungsnation". Aufgrund des hohen Wohlstands der Schweiz und der guten Importbedingungen wäre dies zwar denkbar, es besteht jedoch eine Nachfrage nach einheimischen Produkten.[7] Wenn diese Voraussagen zutreffen würden, wären die politischen Konsequenzen verheerend. Im Falle von Sanktionen anderer Länder wie dies zum Beispiel nach der Annahme der Masseinwanderungsinitiative denkbar gewesen wäre, müsste die ganze Wirtschaft umstrukturiert werden, um die Selbstversorgung zu gewährleisten. Dieses Szenario ist also unglaubwürdig, da es sowohl auf politischen als auch gesellschaftlichen Widerstand treffen würde. Der erste und der zweite Sektor nahmen ab, weil günstigere Rohstoffe und Produkte aus dem Ausland verfügbar sind. Die Vorfahren der Partizipanten mussten in der Landwirtschaft und in der Industrie arbeiten, da die Eigenproduktion in früheren Zeiten nicht gesichert war. In den beiden Diagrammen des Bundesamts für Statistik ist ein Knick zu erkennen. Aufgrund des ähnlichen Erscheinungsbild im Diagramm war ein Zusammenhang nicht auszuschliessen. Wir vermuteten, dass das Ende des Kalten Krieges und der Mauerfall einen direkten oder indirekten Einfluss auf die Wirtschaft der Schweiz hatten. Durch die Auflösung des eisernen Vorhangs war der Handel mit den nun ehemaligen Sowjetländern sowie mit der DDR möglich, was einen Aufschwung der Dienstleistungsbranche bewirkt haben könnte. Unwahrscheinlich war aber, dass diese Reaktion so plötzlich geschehen würde. Deshalb wurde nach anderen Erklärungen gesucht. Bei der Suche nach Messfehlern auf Seiten des BFS, was nicht sehr plausibel ist, fiel uns ein kleines "r" bei den Quartalsdaten ab 1991 auf. Dazu fand sich im Dokument folgende Erklärung: "Ab dem 2. Quartal 1991 gelten alle Personen, die mindestens 1 Stunde pro Woche arbeiten, als erwerbstätig (Anpassung an die Definition des Internationalen Arbeitsamtes). In den vorhergehenden Quartalen belief sich die minimale Arbeitsdauer auf 6 Stunden pro Woche (Quartalsendwerte)" Diese Änderung der Definition von erwerbstätig lieferte trotzdem wertvolle Informationen, weil dies zeigte, dass in dieser Zeit in der Dienstleistungsbranche vor allem von Frauen Teilzeitarbeit verrichtet wurde. Somit kann man aufzeigen, dass sich das Frauenbild schon in dieser Zeit massgeblich weiterentwickelt hat.
Verifizierung und Falsifizierung der Hypothesen
Der Anteil des Primärsektors sinkt tatsächlich über die vier Generationen hinweg, sodass er in der vierten Generation 0% beträgt. In den Daten des Bundesamts für Statistik sinkt der Anteil des Primärsektors ebenfalls, wenn auch weniger fest und nicht auf 0%. Es wurden im Verlauf der Zeit auch viele technische Hilfsmittel für die Landwirtschaft erfunden, man spricht sogar von einer Industrialisierung der Landwirtschaft oder von der sogenannten "Agrarrevolution" .[8] Währenddessen nahm die Bevölkerung und damit der Bedarf an Nahrung, einem ausschlaggebenden Produkt dieses Sektors, zu. Somit muss die Produktivität gestiegen sein, was bedeutet, dass weniger Arbeiter vonnöten sind. Die Hypothese kann also verifiziert werden.
Die Zahl der im Sekundärsektor tätigen Arbeiter steigt zwar zwischenzeitlich in der zweiten Generation an, sinkt dann aber ebenfalls auf 0% in der vierten Generation. Die Daten des Bundesamts der Statistik sagen etwas ähnliches aus, nur kann zur zweiten Generation nichts gesagt werden. Auch die Industrie machte zahlreiche Veränderungen durch, von denen die zunehmende Automatisierung der meisten Arbeitsschritte die grösste ist. Der Bedarf an Konsumgütern blieb aber gleich oder stieg sogar. Diese Hypothese kann mit Vorbehalten verifiziert werden.
Der Tertiärsektor nimmt tatsächlich zu. In der Nachkriegszeit erlebte die Schweiz einen starken wirtschaftlichen Aufschwung. Für die meisten Menschen war nicht mehr nur das tägliche Überleben das Ziel, sondern es konnte nun ein grösserer Teil der Bevölkerung täglich Dienstleistungen in Anspruch nehmen, wie z.B. in einem Restaurant essen gehen. Die Hypothese kann somit ebenfalls verifiziert werden.
Die Anzahl der Hausfrauen nimmt rasant ab. Auch in den Daten des BFS ist eine Abnahme der nichterwerbstätigen Frauen ersichtlich. In der vierten Generation sind keine Hausfrauen mehr vorhanden. Dies ist zurückzuführen auf die Veränderung der Stellung der Frau innerhalb der Familie, die durch verschiedene Frauenbewegungen in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts vorangetrieben wurde.[9] Mit der Einführung des Frauenstimmrechts in der Schweiz im Jahr 1971, hatten Frauen erstmals die Möglichkeit aktiv politisch mitzuwirken. Einerseits begünstigte dies die soziale Akzeptanz der Frau in der Gesellschaft, anderseits war es auch ein Zeichen dafür, dass sich schon im voraus eine Veränderung des Frauenbilds abzeichnete. Dieser Umbruch machte sich auch bei den Arbeitgebern bemerkbar, die nun eine grössere Nachfrage nach weiblichen Arbeitskräften hatten, die gleichzeitig in grösseren Mengen auf dem Arbeitsmarkt vorhanden waren. Aufgrund unserer Untersuchung und der des BFS kann tatsächlich von einer Veränderung des Familienbildes gesprochen werden. Somit kann auch die letzte Hypothese verifiziert werden.
Ob die Hypothese verfiziert oder falsifiziert werden kann, liess sich durch die grobe Betrachtung der drei Dienstleistungssektoren im Wandel der Zeit erahnen. Jedoch war es trotzdem hilfreich noch genauer auf die einzelnen Berufe einzugehen. Denn meist untermauerten diese den ersten Eindruck und sie konnten ihren jeweiligen Wirtschaftssektor wahrheitsgemäss repräsentieren.
Methodenkritik
Die Untersuchung war einigen Ungenauigkeiten ausgesetzt, von denen die grösste zweifellos darin bestand, dass über die vier Generationen das Total der Personen, über die Informationen vorhanden waren, jeweils halbiert wurde, da nur die Familien der Mitschüler in die Auswertung einbezogen waren, womit es von 152 auf 19 Personen sank. Da in der letzten Generation nur von zehn Personen Angaben vorhanden waren, litt die Genauigkeit vor allem in dieser Generation stark, so wären z.B. 10% der Menschen der vierten Generation Musiker, was aufgrund der geringen Nachfrage für diesen Beruf nicht sehr plausibel ist. Mit einigen Lücken in den gesammelten Materialen war zu rechnen. Die Ungenauigkeiten, die sich daraus ergaben, waren aufgrund der hohen Zahl an Personen in der ersten Generation noch vernachlässigbar klein, wurden aber mit jeder Generation grösser. Betreffend der vierten Generation war es auch problematisch, dass nach den Berufswünschen der Schüler gefragt wurde. Einerseits war dies eine Information, die von einem grösseren Teil der Klasse nicht ausgefüllt werden konnte. Andererseits bilden die geäusserten Wünsche keineswegs die Realität ab, vielmehr ist die Wahrscheinlichkeit hoch, dass die geäusserten Wünsche sich in den nächsten Jahren verändern und dass die befragten Personen später einen anderen Beruf ausüben, als diese Untersuchung vermuten lässt. Weiter ist es für Kantonsschüler unwahrscheinlich, dass sie einen Beruf in der Landwirtschaft oder der Industrie anstreben, auch wenn es viele Jugendliche gibt, die einen Beruf in einem dieser Gebiete wünschen. Die Untersuchung anhand einer Kantonsschulklasse ist ausserdem zweifelhaft, weil so nicht alle Gesellschaftsschichten gleich berücksichtigt werden. Für eine Bestätigung der Ergebnisse wurden die Daten vom Bundesamt für Statistik (BFS) herbeigezogen. Problematisch war dabei jedoch, dass diese Aufzeichnungen erst ab 1975 durchgeführt wurden. Dadurch war es nicht möglich, unsere Resultate vollumfänglich abzustützen.
Fazit & Ausblick
Am Ende der Untersuchung angelangt, liessen sich einige Schlüsse über die Veränderung der Erwerbstätigkeit ziehen. So wurde festgestelllt, dass Dienstleistungen in der Schweiz seit geraumer Zeit immer zunehmen und die Erwerbstätigkeit in der Landwirtschaft und der Industrie momentan prozentual zurückgeht. Dieser Eindruck wurde zusätzlich noch verstärkt, wenn man die häufigen Berufe betrachtete, da auch dort festzuhalten war, dass Berufe im Dienstleistungssektor über drei Generationen hinweg meist zunahmen, Berufe aus den anderen zwei Wirtschaftssektoren in den früheren Generationen im Vergleich zu heute weniger stark vertreten waren. Auch wurde festgestellt, dass es in der Schweiz von Generation zu Generation weniger Hausfrauen gibt, welche keiner beruflichen Tätigkeit nachgehen. Dies konnte mit einer Veränderung der Ansicht einer traditionellen schweizer Familie und der Emanzipation der Frauen in den letzten Jahrzehnten in Verbindung gebracht werden. Es ist lohnenswert diese Thematik weiterhin und auch an zukünftigen Generationen zu untersuchen, da sie die Schweiz langfristig beschäftigen wird und sich auch aussagen lässt, in welchen Bereichen Arbeitsplätze benötigt werden. Um eine genauere Auswertung zu machen, sollte jedoch die Erwerbstätigkeit von mehr als nur der Verwandtschaft von 19 Personen gemacht werden, da so die Wahrscheinlichkeit gross ist, dass einige Berufe in der Untersuchung nicht auftauchen. Auch wäre es empfehlenswert, die Untersuchung in verschiedenen Gesellschaftsschichten und nicht nur an Gymansien durchzuführen, um einen Überblick zu erhalten, wie sich die Bildung auf die Erwerbstätigkeit auswirkt.
Table of Contents
Zusammenfassung
Im Rahmen der Geografiepraktika wurde die demographische Transformation anhand der Erwerbstätigkeit über vier Generationen untersucht. In einem ersten Schritt war jeder Schüler dazu verpflichtet, Informationen betreffend seiner Familie zu sammeln, damit für die darauffolgende Arbeit Daten zur Auswertung vorhanden waren. Diese Daten wurden auf verschiedene Themenbereiche aufgeteilt, die dann von jeweils einer oder zwei Gruppen bearbeitet wurden. Um für diesen Artikel von Nutzen zu sein, mussten die Angaben der Schüler ausgezählt und tabellarisch dargestellt werden. In diesem Fall mussten die angegebenen Berufe in verschiedene Kategorien eingeteilt werden, von denen drei die entsprechenden Wirtschaftssektoren darstellten und eine für die Nichterwerbstätigen vorgesehen war. In einer weiteren Auswertung wurden die häufigsten Berufe nach Generationen ausgezählt.
Einleitung & Fragestellung
Mit der Industrialisierung wurde die Arbeit sowohl auf dem Land wie auch in der Industrie über Generationen hinweg effizienter. Neue Technologien und Erfindungen vereinfachten die Arbeit, Menschen wurden durch Maschinen ersetzt und es waren weniger Arbeiter vonnöten um diese zu bedienen. Langsam verbesserten sich auch die Lebenssumstände der einfachen Bevölkerung und der allgemeine Wohnstand stieg an. Verbunden mit dem neuen Wohlstand stieg auch die Kaufkraft des Individuums, da nun nicht mehr nur die Existenz gesichert wurde, sondern auch Geld für die höheren Stufen der Bedürfnispyramide nach Maslow übrig blieb.[1] Diese Pyramide besagt, dass der Mensch zuerst seine Grundbedürfnisse befriedigen muss, bevor er in weniger notwendige Bereiche investiert. Zu diesen gehören die Sicherheitsbedürfnisse, soziale Bedürfnisse, Individualbedürfnisse und schlussendlich das Bedürfnis nach Selbstverwirklichung.
Durch den Wandel entstanden neue Arbeitsplätze, welche vorher nicht so zahlreich oder gar nicht ausgeübt wurden. So konnten zum Beispiel mehr Kinder in die Schule gehen, da sie keine Arbeit mehr verrichten mussten, damit die Familie genügend Geld zur Verfügung hatte.
Ziel dieser zwei Praktika war es herauszufinden, ob sich über vier Generationen hinweg eine demografische Transformation der Schweiz in Bezug auf die Erwerbstätigkeit feststellen lässt und wie sich eine mögliche Veränderung auf die verschiedenen Wirtschaftssektoren auswirkt. Aus diesem Grund wurde folgende Fragestellung aufgestellt: Wie veränderte sich die Erwerbstätigkeit der Generationen des 20. Jahrhunderts in der Schweiz in Bezug auf die drei Wirtschaftssektoren und mit Blick auf die am häufigsten ausgeübten Berufe?
Wirtschaftssektoren
In Bezug auf die Erwerbstätigkeit werden Berufe in drei verschiedene Wirtschaftssektoren eingeteilt, welche bekannt sind als Primär-, Sekundär-, und Tertiärsektor.
Der Primärsektor, auch bekannt als Landwirtschaftssektor, beinhaltet alle Berufe, die sich dem Anbau und der Ernte landwirtschaftlicher Erzeugnisse widmen. Dazu gehören vor allem Berufe in der Land- und Forstwirtschaft und der Fischerei, aber auch die Jagd, die Nutzung von Wasserkraft und der Bergbau.[2]
Der Sekundärsektor, meist industrieller Sektor genannt, bezieht sich auf die Arbeit in Betrieben, welche für die Verarbeitung der Rohstoffe zuständig sind und/oder der damit verbundenen Produktion von Waren. Zu diesem Wirtschaftszweig gehören verarbeitende Gewerbe, Industrie, Handwerk und die Energiewirtschaft.[3]
Der Tertiärsektor wird auch als Dienstleistungssektor bezeichnet. Dieser Wirtschaftssektor ist zuständig für das Erbringen von Dienstleistungen. Diese können durch eigenständige Unternehmungen in der Privatwirtschaft erbracht werden, aber auch durch den Staat oder andere öffentliche Einrichtungen. Berufe im Dienstleistungssektor sind in zahlreichen Bereichen vorhanden, wie zum Beispiel in der Informatik, Bildung oder Pflege.[4]
Hypothesen
Die Hypothesen wurden wie folgt formuliert:
Auswertung der Geografiepraktika
Material & Methoden
Die Arbeit stützt sich auf die Daten der Klassenmitglieder bezüglich der Erwerbstätigkeit ihrer Familie über vier Generationen, die von den Mitschülern wahrheitsgerecht und anonym in Form einer Tabelle abzugeben waren. Dabei wurde nach den Berufen der acht Urgrosselternteile, der vier Grosselternteile, der zwei Elternteile und den Berufswünschen der Mitschüler selbst gefragt. Letztere wurden wie wirklich ausgeübte Berufe behandelt.Vorgehen
In einer ersten Auswertung wurden die angegebenen Berufe den jeweiligen Wirtschaftssektoren sowie der Kategorie Hausfrauen zugeordnet, in der zweiten wurden die häufigsten Berufe ausgezählt.Mit Hilfe von Microsoft Excel wurden die in diesem Bericht vorliegenden Diagramme "Anteil der Wirtschaftssektoren an der Gesamtheit der Erwerbstätigen" und "Häufige Berufe" zur Veranschaulichung der beiden Auswertungen erstellt.
Resultate
In diesem Diagramm wird die Zahl der Erwerbstätigen in einem Wirtschaftssektor in Prozent dargestellt. Die Angaben beziehen sich hier nur auf die Daten der Klassenmitglieder. Die Hausfrauen, die in keinen Sektor der Wirtschaft passen, jedoch auch nicht als arbeitslos im wörtlichen Sinn aufgefasst werden können, wurden einer eigenen Kategorie zugeordnet, da sich eine der Hypothesen mit der Erwerbstätigkeit der Frauen beschäftigt.
Mithilfe dieser Abbildung lassen sich einige Aussagen zur Veränderung der Erwerbstätigkeit im Bezug auf die drei Wirtschaftssektoren machen. Der Landwirtschaftssektor nimmt von Generation zu Generation kontinuierlich ab, bleibt jedoch trotzdem bis und mit zur dritten Generation erhalten. In der vierten Generation gibt es keine Schüler oder Schülerinnen, welche einen Beruf im Primärsektor ausüben wollen. Der Sekundärsektor erfuhr von der ersten zur zweiten Genration einen Zuwachs von acht Prozent, von der zweiten zur dritten Genration nimmt er jedoch um zwölf Prozent ab. In der vierten Generation gibt es niemanden, der in der Industrie tätig sein möchte. Der Tertiärsektor war von Anfang an der prozentual am stärksten vertretene Wirtschaftssektor. Über alle Generationen hinweg stieg die Zahl der Erwerbstätigen im Dienstleistungssektor weiter an. Die Schüler und Schülerinnen, welche die vierte Generation repräsentieren, wollen in ihrer zukünftigen Berufslaufbahn ausschliesslich Berufe ausüben, welche Dienstleistungen anbieten. Die Zahl der Hausfrauen nahm stetig ab, bis und mit zur dritten Generation gab es Hausfrauen, welche nicht erwerbstätig waren, in der vierten Generation gab es keine Testperson, welche zukünftig als Hausmann oder Hausfrau tätig sein möchte.
Die oben aufgeführten Resultaten lassen sich auch tabellarisch in Prozenten veranschaulichen:
Das obige Diagramm zeigt die häufigsten Berufe und deren Rückgang beziehungsweise Zunahme über vier Generationen. Es lässt sich beobachten, dass sich einige Berufe mit den Feststellungen aus dem ersten Diagramm decken. Als Vertreter des Landwirtschaftssektors nahm der prozentuale Anteil an Landwirten stetig ab und ist in der letzten Generation gar nicht mehr zu finden. Der industrielle Sektor und dessen Veränderung in der Erwerbstätigkeit lässt sich anhand der Mechaniker beschreiben. Von der ersten zur zweiten Generation steigt der prozentuale Anteil der Mechaniker, eine Generation später sinkt er wieder ab. Die Sekretäre, Lehrer und Ingenieure wiederspiegeln die Entwicklung des Dienstleistungssektors, da deren Anteil von Generation zu Generation steigt, mit Ausnahme der vierten Generation. Nicht überraschend ist die Entwicklung der Hausfrauen, die sich eins zu eins mit dem ersten Diagramm deckt, da zur Kategorie Hausfrauen nur Hausfrauen gehören, welche diese ausmachen. Jedoch gibt es auch Berufe, deren Entwicklung nicht der ihres zugehörigen Wirtschaftssektors entspricht, wie zum Beispiel Handwerker, Schneider oder Kaufmänner. Zwei Berufe weisen eine besonders interessante Entwicklung auf. Der Beruf Lehrer ist der einzige Beruf welcher bei der Untersuchung in allen vier Generationen vorkommt. Der Beruf Musiker war in der ersten Generation verteten und verschwand dann über zwei Generationen. In der vierten Generation gibt es jedoch wieder Personen, deren Berufsziel Musiker ist.
Vergleich zum Bundesamt für Statistik
Das Bundesamt für Statistik bietet allen einen Zugang zu reichhaltigen Informationen aus den wichtigsten Lebensbereichen. Dazu gehören Bevölkerung, Gesundheit, Wirtschaft, Arbeit, Bildung, nachhaltige Entwicklung und vieles mehr. Um die Korrektheit der Ergebnisse zu überprüfen, wurde das offizielle Portal für Statistiken bezüglich der Schweiz zur Hilfe gezogen.[5] Es ist anzunehmen, dass die Ergebnisse des Bundesamts für Statistik genauer sind als unsere, da ihnen mehr Daten zur Verfügung stehen. Obwohl die Bundesbehörden mit aller Sorgfalt auf die Richtigkeit der veröffentlichten Informationen achten, kann hinsichtlich der inhaltlichen Korrektheit, Genauigkeit, Aktualität, Zuverlässigkeit und Vollständigkeit dieser Informationen keine Gewährleistung ihrerseits übernommen werden. Doch wie schon erwähnt, dienen ihre Daten als Vergleichsbasis um unsere Ergebnisse zu überprüfen.Basierend auf den Daten[6] des Bundesamts für Statistik wurde ein Diagramm erstellt, um einen weitreichenden Überblick zur demographischen Transformation bezüglich der Erwerbstätigkeit zu erlangen. Der Zeitraum der Daten ist von 1975-2015 zu bestimmen, was bei der hier durchgeführten Untersuchung etwa auf die zweite, dritte und vierte Generation trifft. Die Hausfrauen werden in diesem Diagramm nicht als einzelner Sektor angesehen, sondern zählen zu den Nichterwerbstätigen, welche hier nicht vorhanden sind. Es wird zwischen drei verschiedenen Wirtschaftssektoren unterschieden. Die Landwirtschaft bildet den ersten Sektor, gefolgt von der Industrie, welche den zweiten Sektor vertritt. Der dritte und grösste Sektor ist derjenige der Dienstleistungen, welcher eine interessante Entwicklung aufweist. Schon im Jahr 1975 arbeiteten die meisten Menschen im Dienstleistungssektor und die Landwirtschaft war mit einem vergleichsweise geringen Anteil an Personen in der Wirtschaft tätig. Wenn man nun die Entwicklung aller Wirtschaftssektoren unter die Lupe nimmt, dann erkennt man ein rasantes Wachstum der Dienstleistungsbranche. Mit anfänglich 1.7 Millionen Menschen arbeiteten im Jahr 2015 in der Schweiz 3.75 Millionen Menschen, sowohl Ausländer als auch Schweizer Staatsbürger, im Dienstleistungssektor. Dies entspricht einer Verdoppelung von Personen, die im Dienstleistungssektor arbeiten. Gemäss verschiedensten Quellen wird vermutet, dass das Wachstum aufgrund des hohen Wohlstands unserer Konsumgesellschaft nicht stoppen wird. Nach einer hohen Wachstumsrate im Vorjahr erscheint ein „Knick“ im Jahr 1990. Auf diesen raschen Anstieg und den darauf folgenden kleinen Einbruch des Wachstums wird in der Diskussion näher eingegangen. In der Industrie arbeiteten sowohl prozentual als auch absolut bis zur Jahrtausendwende hin immer weniger Menschen. Seit dem Jahr 2000 blieb aber der Anteil an Arbeitern in der Industrie konstant. 222‘000 Menschen waren im Jahr 1975 noch in der Landwirtschaft tätig. Obwohl die Bevölkerung der Schweiz in den Folgejahren stark zunahm und die Nachfrage nach Nahrung stieg, nahm der Anteil der Erwerbstätigen im Bereich der Landwirtschaft stark ab. Ende 2015 wirtschafteten nur noch 165‘000 Menschen im traditionellen Sektor.
Diskussion
Gemäss unserer Ergebnisse wäre die Schweiz in der vierten Generation eine reine "Dienstleistungsnation". Aufgrund des hohen Wohlstands der Schweiz und der guten Importbedingungen wäre dies zwar denkbar, es besteht jedoch eine Nachfrage nach einheimischen Produkten.[7] Wenn diese Voraussagen zutreffen würden, wären die politischen Konsequenzen verheerend. Im Falle von Sanktionen anderer Länder wie dies zum Beispiel nach der Annahme der Masseinwanderungsinitiative denkbar gewesen wäre, müsste die ganze Wirtschaft umstrukturiert werden, um die Selbstversorgung zu gewährleisten. Dieses Szenario ist also unglaubwürdig, da es sowohl auf politischen als auch gesellschaftlichen Widerstand treffen würde. Der erste und der zweite Sektor nahmen ab, weil günstigere Rohstoffe und Produkte aus dem Ausland verfügbar sind. Die Vorfahren der Partizipanten mussten in der Landwirtschaft und in der Industrie arbeiten, da die Eigenproduktion in früheren Zeiten nicht gesichert war.
In den beiden Diagrammen des Bundesamts für Statistik ist ein Knick zu erkennen. Aufgrund des ähnlichen Erscheinungsbild im Diagramm war ein Zusammenhang nicht auszuschliessen. Wir vermuteten, dass das Ende des Kalten Krieges und der Mauerfall einen direkten oder indirekten Einfluss auf die Wirtschaft der Schweiz hatten. Durch die Auflösung des eisernen Vorhangs war der Handel mit den nun ehemaligen Sowjetländern sowie mit der DDR möglich, was einen Aufschwung der Dienstleistungsbranche bewirkt haben könnte. Unwahrscheinlich war aber, dass diese Reaktion so plötzlich geschehen würde. Deshalb wurde nach anderen Erklärungen gesucht. Bei der Suche nach Messfehlern auf Seiten des BFS, was nicht sehr plausibel ist, fiel uns ein kleines "r" bei den Quartalsdaten ab 1991 auf. Dazu fand sich im Dokument folgende Erklärung:
"Ab dem 2. Quartal 1991 gelten alle Personen, die mindestens 1 Stunde pro Woche arbeiten, als erwerbstätig (Anpassung an die Definition des Internationalen Arbeitsamtes). In den vorhergehenden Quartalen belief sich die minimale Arbeitsdauer auf 6 Stunden pro Woche (Quartalsendwerte)"
Diese Änderung der Definition von erwerbstätig lieferte trotzdem wertvolle Informationen, weil dies zeigte, dass in dieser Zeit in der Dienstleistungsbranche vor allem von Frauen Teilzeitarbeit verrichtet wurde. Somit kann man aufzeigen, dass sich das Frauenbild schon in dieser Zeit massgeblich weiterentwickelt hat.
Verifizierung und Falsifizierung der Hypothesen
- Der Anteil des Primärsektors sinkt tatsächlich über die vier Generationen hinweg, sodass er in der vierten Generation 0% beträgt. In den Daten des Bundesamts für Statistik sinkt der Anteil des Primärsektors ebenfalls, wenn auch weniger fest und nicht auf 0%. Es wurden im Verlauf der Zeit auch viele technische Hilfsmittel für die Landwirtschaft erfunden, man spricht sogar von einer Industrialisierung der Landwirtschaft oder von der sogenannten "Agrarrevolution" .[8] Währenddessen nahm die Bevölkerung und damit der Bedarf an Nahrung, einem ausschlaggebenden Produkt dieses Sektors, zu. Somit muss die Produktivität gestiegen sein, was bedeutet, dass weniger Arbeiter vonnöten sind. Die Hypothese kann also verifiziert werden.
- Die Zahl der im Sekundärsektor tätigen Arbeiter steigt zwar zwischenzeitlich in der zweiten Generation an, sinkt dann aber ebenfalls auf 0% in der vierten Generation. Die Daten des Bundesamts der Statistik sagen etwas ähnliches aus, nur kann zur zweiten Generation nichts gesagt werden. Auch die Industrie machte zahlreiche Veränderungen durch, von denen die zunehmende Automatisierung der meisten Arbeitsschritte die grösste ist. Der Bedarf an Konsumgütern blieb aber gleich oder stieg sogar. Diese Hypothese kann mit Vorbehalten verifiziert werden.
- Der Tertiärsektor nimmt tatsächlich zu. In der Nachkriegszeit erlebte die Schweiz einen starken wirtschaftlichen Aufschwung. Für die meisten Menschen war nicht mehr nur das tägliche Überleben das Ziel, sondern es konnte nun ein grösserer Teil der Bevölkerung täglich Dienstleistungen in Anspruch nehmen, wie z.B. in einem Restaurant essen gehen. Die Hypothese kann somit ebenfalls verifiziert werden.
- Die Anzahl der Hausfrauen nimmt rasant ab. Auch in den Daten des BFS ist eine Abnahme der nichterwerbstätigen Frauen ersichtlich. In der vierten Generation sind keine Hausfrauen mehr vorhanden. Dies ist zurückzuführen auf die Veränderung der Stellung der Frau innerhalb der Familie, die durch verschiedene Frauenbewegungen in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts vorangetrieben wurde.[9] Mit der Einführung des Frauenstimmrechts in der Schweiz im Jahr 1971, hatten Frauen erstmals die Möglichkeit aktiv politisch mitzuwirken. Einerseits begünstigte dies die soziale Akzeptanz der Frau in der Gesellschaft, anderseits war es auch ein Zeichen dafür, dass sich schon im voraus eine Veränderung des Frauenbilds abzeichnete. Dieser Umbruch machte sich auch bei den Arbeitgebern bemerkbar, die nun eine grössere Nachfrage nach weiblichen Arbeitskräften hatten, die gleichzeitig in grösseren Mengen auf dem Arbeitsmarkt vorhanden waren. Aufgrund unserer Untersuchung und der des BFS kann tatsächlich von einer Veränderung des Familienbildes gesprochen werden. Somit kann auch die letzte Hypothese verifiziert werden.
Ob die Hypothese verfiziert oder falsifiziert werden kann, liess sich durch die grobe Betrachtung der drei Dienstleistungssektoren im Wandel der Zeit erahnen. Jedoch war es trotzdem hilfreich noch genauer auf die einzelnen Berufe einzugehen. Denn meist untermauerten diese den ersten Eindruck und sie konnten ihren jeweiligen Wirtschaftssektor wahrheitsgemäss repräsentieren.Methodenkritik
Die Untersuchung war einigen Ungenauigkeiten ausgesetzt, von denen die grösste zweifellos darin bestand, dass über die vier Generationen das Total der Personen, über die Informationen vorhanden waren, jeweils halbiert wurde, da nur die Familien der Mitschüler in die Auswertung einbezogen waren, womit es von 152 auf 19 Personen sank. Da in der letzten Generation nur von zehn Personen Angaben vorhanden waren, litt die Genauigkeit vor allem in dieser Generation stark, so wären z.B. 10% der Menschen der vierten Generation Musiker, was aufgrund der geringen Nachfrage für diesen Beruf nicht sehr plausibel ist.Mit einigen Lücken in den gesammelten Materialen war zu rechnen. Die Ungenauigkeiten, die sich daraus ergaben, waren aufgrund der hohen Zahl an Personen in der ersten Generation noch vernachlässigbar klein, wurden aber mit jeder Generation grösser.
Betreffend der vierten Generation war es auch problematisch, dass nach den Berufswünschen der Schüler gefragt wurde. Einerseits war dies eine Information, die von einem grösseren Teil der Klasse nicht ausgefüllt werden konnte. Andererseits bilden die geäusserten Wünsche keineswegs die Realität ab, vielmehr ist die Wahrscheinlichkeit hoch, dass die geäusserten Wünsche sich in den nächsten Jahren verändern und dass die befragten Personen später einen anderen Beruf ausüben, als diese Untersuchung vermuten lässt. Weiter ist es für Kantonsschüler unwahrscheinlich, dass sie einen Beruf in der Landwirtschaft oder der Industrie anstreben, auch wenn es viele Jugendliche gibt, die einen Beruf in einem dieser Gebiete wünschen.
Die Untersuchung anhand einer Kantonsschulklasse ist ausserdem zweifelhaft, weil so nicht alle Gesellschaftsschichten gleich berücksichtigt werden.
Für eine Bestätigung der Ergebnisse wurden die Daten vom Bundesamt für Statistik (BFS) herbeigezogen. Problematisch war dabei jedoch, dass diese Aufzeichnungen erst ab 1975 durchgeführt wurden. Dadurch war es nicht möglich, unsere Resultate vollumfänglich abzustützen.
Fazit & Ausblick
Am Ende der Untersuchung angelangt, liessen sich einige Schlüsse über die Veränderung der Erwerbstätigkeit ziehen. So wurde festgestelllt, dass Dienstleistungen in der Schweiz seit geraumer Zeit immer zunehmen und die Erwerbstätigkeit in der Landwirtschaft und der Industrie momentan prozentual zurückgeht. Dieser Eindruck wurde zusätzlich noch verstärkt, wenn man die häufigen Berufe betrachtete, da auch dort festzuhalten war, dass Berufe im Dienstleistungssektor über drei Generationen hinweg meist zunahmen, Berufe aus den anderen zwei Wirtschaftssektoren in den früheren Generationen im Vergleich zu heute weniger stark vertreten waren. Auch wurde festgestellt, dass es in der Schweiz von Generation zu Generation weniger Hausfrauen gibt, welche keiner beruflichen Tätigkeit nachgehen. Dies konnte mit einer Veränderung der Ansicht einer traditionellen schweizer Familie und der Emanzipation der Frauen in den letzten Jahrzehnten in Verbindung gebracht werden. Es ist lohnenswert diese Thematik weiterhin und auch an zukünftigen Generationen zu untersuchen, da sie die Schweiz langfristig beschäftigen wird und sich auch aussagen lässt, in welchen Bereichen Arbeitsplätze benötigt werden. Um eine genauere Auswertung zu machen, sollte jedoch die Erwerbstätigkeit von mehr als nur der Verwandtschaft von 19 Personen gemacht werden, da so die Wahrscheinlichkeit gross ist, dass einige Berufe in der Untersuchung nicht auftauchen. Auch wäre es empfehlenswert, die Untersuchung in verschiedenen Gesellschaftsschichten und nicht nur an Gymansien durchzuführen, um einen Überblick zu erhalten, wie sich die Bildung auf die Erwerbstätigkeit auswirkt.Einzelnachweise
Quellenverzeichnis
Wikipedia, Die freie Enzyklopädie: https://de.wikipedia.org/
Frankfurter Allgemeine: http://www.faz.net/
Academic Lexikon: http://www.deacademic.com/
http://viehweger.org/
Bundesamt für Statistik: http://www.bfs.admin.ch/